Punktelastizität und Härtegrad?

Hier geht’s zum Liegekomfort

In Verbindung mit Matratzen fallen häufig Begrifflichkeiten wie Punktelastizität, Flächenelastizität und Härtegrad. Auch das Raumgewicht ist eine Bezeichnung, die in der Matratzenwelt eine wichtige Stellung einnimmt, gerade im Bereich der Qualität. Interessieren Sie sich für eine neue Matratze, ist es ein Vorteil, wenn diese Bezeichnungen für Sie kein Fachchinesisch mehr darstellen, sondern vielmehr dazu beitragen, den individuellen und für Sie optimalen Liegekomfort gezielter herauszufinden.

Damit Sie gut vorbereitet sind, wenn Sie zum Bettenfachhändler Ihres Vertrauens gehen, greifen wir für Sie die wichtigsten Bezeichnungen noch einmal auf.

1. Watteweich oder bretthart – Härtegrade von Matratzen

Die Angabe eines Härtegrades gibt Aufschluss über die Festigkeit der jeweiligen Matratze, nicht aber über deren Qualität. Hersteller bemühen sich so, den individuellen Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden und eine Übersicht über ihre Modelle zu schaffen. Da es hier leider keine einheitlichen Richtlinien, Normen, Vorgaben oder Standards gibt und jeder Produzent die Vergabe seiner Härtegrade selbst festlegen kann, trifft man beim Matratzenkauf auf verschiedene Bezeichnungen. Die Hersteller nutzen Begriffe wie z.B. weich, mittel, hart oder H1 bis H3 oder soft, medium, hard. Bei manchen existieren lediglich zwei, andere führen Matratzen mit fünf verschiedenen Härtegraden. Erschwerend kommt hinzu, dass mit den unterschiedlichen Angaben auch die jeweiligen Definitionen oft abweichen. Eine Matratze, die der eine Hersteller als ´weich` deklariert, kann fester ausfallen, als die harte Matratze eines anderen Herstellers.

Daher sind angegebene Härtegrade im Allgemeinen als Richtschnur anzusehen und der direkte Vergleich diesbezüglich nur bei den Matratzen eines einzelnen Herstellers zu suchen. Sie haben sich beispielsweise für eine Matratze entschieden und sind sich nicht sicher, ob die Festigkeit für Sie optimal ist, dann empfiehlt es sich, auf demselben Matratzenmodell des gleichen Herstellers in anderen Härtegraden noch Probe zu liegen. Für diese Verwendung machen die Angaben der Härtegrade Sinn und für diesen Vergleich sind Sie auch gedacht.

Wie kommen die Unterschiede bei den Härtegraden zustande?

Zum einen kann jeder Matratzenproduzent die Gewichtsklassen selbst definieren. Während bei manchen der Härtegrad 1 bis 60 kg eingestuft ist, kann sich derselbe Härtegrad beim anderen Hersteller bis 70 kg erstrecken. Außerdem entscheidet jeder für sich, in wie viele Härtegrade er seine Matratzen unterteilt. Im Bereich der Festigkeit muss zusätzlich beachtet werden, dass es hier um ein subjektives Gefühl geht und jede Person anders empfindet. Verschiedene Menschen werden die Härte einer Matratze unterschiedlich wahrnehmen. Was für den einen hart ist, befindet ein anderer vielleicht noch als weich.

Das Raumgewicht – wie viel Matratze ist in der Matratze?

Das Raumgewicht beschreibt, wie viel Kilogramm Rohmaterial (Schaumstoff, Latex) pro Kubikmeter verwendet wurden. Die Angabe des Raumgewichts (abgekürzt mit RG) bezieht sich auf Latex- und Kaltschaummatratzen, wird bei Federkernmatratzen von RG gesprochen, ist es auf die Polsterung bzw. Abdeckung der Federn bezogen. Bei einer Matratze mit RG 50 wurden entsprechend 50 kg Material auf einem Kubikmeter verarbeitet. Eine Matratze mit höherem Raumgewicht hat also weniger Luft und mehr Dichte als eine Vergleichsmatratze mit gleicher Abmessung und gleicher Härte. Sie weist dadurch bessere Gebrauchseigenschaften auf, d.h. sie ist elastischer, langlebiger und hat eine bessere Stützwirkung. Das Raumgewicht stellt somit ein Qualitätsmerkmal dar, das es beim Matratzenkauf zu beachten gilt.

Die Stauchhärte – Definition von Festigkeit

Die Stauchhärte beschreibt den Druck (in Pascal), der benötigt wird, um das Material um 40 % einzudrücken. Oder anders gesagt: Sie bestimmt die Rückstellkraft eines Materials bei vorgegebener Eindrucktiefe und ist somit ausschlaggebend für Festigkeit/Härte bzw. Weichheit der Matratze. Raumgewicht und Stauchhärte, diese zwei Begriffe sind wichtig, wenn es um Qualität und Festigkeit einer Matratze geht. Sie sind aber wiederum nicht immer voneinander abhängig, d.h. eine schwere Matratze muss nicht gleichzeitig eine feste Matratze sein. Als Beispiel kann man sich einen Sitzwürfel vorstellen, er ist leicht, aber sehr fest, hat also eine hohe Stauchhärte bei geringem Raumgewicht. Bei Matratzen sind beide Parameter aber in der Regel aufeinander abgestimmt. Die Angaben bei einer Schaumstoffmatratze könnten beispielsweise so lauten: RG40/40 (Raumgewicht/Stauchhärte), also 40 kg/m3 / 4 kPa bei 40 %.

Wie werden die unterschiedlichen Härtegrade technisch erreicht?

Bei Schaumstoffmatratzen werden die verschiedenen Härtegrade durch unterschiedlichen molekularen Aufbau des Schaumstoffs erzielt und durch die Art der Einschnitte. Federkernmatratzen können z.B. mit Federn ausgestattet werden, die unterschiedliche Drahtstärken besitzen. Eine Drahtstärke von beispielsweise 2,0mm wird dann entsprechend für weiche Matratzen eingesetzt, 2,4mm sind für festere Ausführungen. Zudem erhöht sich mit der Anzahl der Federn in der Regel auch die Festigkeit. Verschiedene Verdichtungen und das Raumgewicht – grob vereinfacht: Verwendung von mehr Material – verändern bei Latexmatratzen den Härtegrad.

Eine kleine Zusammenfassung: Was müssen Sie in Bezug auf den Härtegrad beachten?

Wenn Sie sich für eine neue Matratze interessieren, achten Sie hinsichtlich des Härtegrades auf folgende Punkte:

  • An der gefühlten Härte einer Matratze kann man deren Qualität nicht erkennen.
  • Die Angabe des Härtegrades ist Herstellerabhängig und nicht genormt. Vergleichen Sie also die Matratzen verschiedener Hersteller nicht anhand des Härtegrades, sondern nutzen Sie ihn nur als Entscheidungshilfe innerhalb eines Matratzenmodells.
  • Die Härtegrade orientieren sich ausschließlich am Körpergewicht. Größe, Körperstatur und gesundheitliche Einschränkungen werden hier außer Acht gelassen. Dabei ist es von großer Bedeutung, ob jemand 60 kg wiegt und 1,60 groß ist oder das gleiche Gewicht bei 1,95 m hat. Haben Sie ein breites Becken, ausgeprägte Schultern oder eine starke Wirbelsäulenkrümmung? Hier sollte generell ein Härtegrad weicher gewählt werden, damit die Wirbelsäule im Liegen gerade ist. Auch solche Faktoren müssen berücksichtigt werden.
  • Auf persönliche Vorlieben und Schlafgewohnheiten zu achten ist ebenso wichtig. Liegen Sie gerne auf der Seite oder sind Sie Bauchschläfer? Schlafen Sie lieber auf einer weichen Matratze oder bevorzugen Sie harte Unterlagen? Vergessen Sie nicht auch diese Punkte mit Ihrem Fachberater zu besprechen.
  • Die orthopädische Faustregel „je jünger desto fester – je älter desto weicher“ gilt als kleine Orientierungshilfe heute immer noch.

 

2. Punktelastizität und Flächenelastizität von Matratzen

Die Federung einer Matratze reagiert entweder punkt- oder flächenelastisch. Um verschiedene Matratzen in die richtige Kategorie einordnen zu können und um Fehlkäufe zu vermeiden, möchten wir Sie zu diesem Thema informieren.

Definititon

Eine punktelastische Matratze gibt wortgemäß nur an dem Punkt nach, der eingedrückt wird. Das Areal um diesen Bereich sinkt nicht ein. Flächenelastische Matratzen reagieren auf Druck großflächiger, d.h. auch das Gebiet um den eingedrückten Punkt geht nach unten. Bildlich dargestellt: Stellen Sie eine Vase auf eine punktelastische Matratze und drücken die Matratze etwas daneben mit der Hand ein, bleibt die Vase relativ gerade stehen. Bei der flächenelastischen Matratze wiederum neigt die Vase schräg zum Eindruckpunkt oder kann kippen, je nachdem, ob die Matratze einen weichen oder festeren Härtegrad hat.

Auf den Liegekomfort bezogen bedeutet das: der Körper kann auf einer punktelastischen Matratze genauer abgestützt werden. In Seitenlage sinken Schulter und Hüftbereich punktuell ein, während die Wirbelsäule weiterhin eine gerade Linie bildet und somit der Körper in allen Bereichen ergonomisch optimal stabilisiert wird. Mit dem Härtegrad kann gewählt werden, wie stark die Areale in die Matratze eintauchen.

Bei einer flächenelastischen Unterlage entsteht in Seitenlage der sogenannte „Hängematten-Effekt“, auch hier entscheidet der Härtegrad, wie stark dieses flächige Nachgeben ausfällt. Der Körper sinkt im Gesamten ein, Schulter und Hüfte bilden durch den Druck eine Mulde, der auch die Wirbelsäule nachgibt. Die gewünschte Stützfunktion für einen gesunden und erholsamen Schlaf eines Seitenschläfers kann so nicht gewährleistet werden.

Welche ist wie?

Ob sich eine Matratze punkt- oder flächenelastisch verhält, entscheidet die Art und Qualität des Materials, aus der sie gefertigt ist. Punktelastisch sind Matratzen aus Latex und Kaltschaum sowie (Tonnen)Taschenfederkernmatratzen. Polsterung und Bezüge können allerdings einen negativen Einfluss auf die Punktelastizität ausüben. Denn ist er straff vernäht oder zu starr, wird der Druck nicht optimal an den Matratzenkern weitergegeben und die gute Eigenschaft der Punktelastizität wird nahezu aufgehoben. Flächenelastisch reagieren einfache Federkernmatratzen oder Matratzen mit Bonell-Federkern. Diese beiden Arten werden auch gerne in durchschnittlichen Boxspringbetten verbaut. Bei Taschenfederkernmatratzen ist die Anzahl der Federn entscheidend, bei Latex- und Kaltschaummatratzen steigt die Punktelastizität mit dem Raumgewicht.

Welche für wen?

Aus ergonomischer Sicht sollten Menschen, die nur in Seitenlage schlafen oder die Seitenlage bevorzugen eher zur Punktelastischen Matratze tendieren. Hier können Schulter und Becken einsinken, während die anderen Körperzonen optimal stabilisiert sind. Für Bauchschläfer, Kinder und Jugendliche und Menschen ohne Rückenprobleme sind flächenelastische Matratzen eine komfortable Option. Sie passt sich im Gesamten an die Form des Körpers an. Gerade reine Bauch- und Rückenschläfer empfinden flächenelastische Matratzen mit einem etwas festeren Härtegrad sehr angenehm.

3. Biegeelastizität von Matratzen – auf Biegen und Brechen?

Was bedeutet Biegeelastizität?

Die Biegeelastizität hat zunächst einmal wenig mit dem Schlafkomfort zu tun, sondern beschreibt die Fähigkeit einer Matratze mit einem verstellbaren Lattenrost kombiniert werden zu können.

Latex- und Kaltschaummatratzen haben schon grundsätzlich eine hohe Biegeelastizität und sind optimal geeignet für verstellbare Lattenroste. Federkern- und Taschenfederkernmatratzen wiederum sind generell weniger biegeelastisch, wobei sich die hochwertigen dieser Art inzwischen sehr gut mit verstellbaren Lattenrosten kombinieren lassen.

Gerade wenn Sie einen verstellbaren Lattenrost besitzen oder sich für einen interessieren, müssen Sie den Faktor Biegeelastizität bei der Matratze in jeden Fall beachten. Matratze und Unterlage in einem Bettsystem genau aufeinander abgestimmt stellt die perfekte Schlaflösung dar. So können alle positiven Aspekte beider Komponenten zur Geltung kommen und genutzt werden.